Rattenscharfes Straßentheaterfestival

Rattenscharf war die Vorstellung des Maskentheaters "PasParTouT" aus Bergatreute. | Bild: Claudia Wörner

Rattenscharf eroberten die grauen Nager des Maskentheaters "PasParTouT" aus Bergatreute die Welt jenseits der Kanalisation. Detailverliebt ausgestattet mit einem fetten Rattenschwanz, Nagezähnen und einem plüschigen Pelz gehörten die drei höchst lebendigen und zudem auch noch musikalischen Figuren zu den Lieblingen der Zuschauer. Immer im Kontakt mit ihnen zogen sie als Wanderratten mit Saxofon, Klarinette und Melodica durch die Straßen. Mutig nahmen sich Kinder einen Lolli aus der Mausefalle und beim Versteckspiel verband sich die Anführerratte die Augen mit einem pinkfarbenen BH. "New York, New York" schallte es wenig später über den Marienplatz. Raphael Mürle vom Figurentheater Pforzheim war mit seinen "Rockröhren", zu denen auch Nina Hagen gehört, beim Straßentheaterfestival. Wenige Handgriffe reichten aus, um der bunt bemalten Röhrenpuppe Leben einzuhauchen. Voller spritziger Ideen sorgte auch dieses Programm für beste Unterhaltung.

Viel Ausdruck mit zwei Händen und zwei Köpfchen: Ein musikalisches Puppenspiel voller Poesie zeigten Eva Sotriffer und Max Castlunger. | Bild: Claudia Wörner

Zwei Jahre lang geplant und organisiert wurde das Festival "Bella Figura" von den Mitgliedern des Vereins Figurentheater Ravensburg in ehrenamtlicher Arbeit. "Wir wollen unsere Kunst möglichst vielen
Menschen näherbringen, egal ob jung oder alt, und zeigen, was Figurentheater ausmacht", sagte Britta Böschen, die für die Koordination zuständig war. Ansprechen wolle man Menschen, die diese Art des Theaters noch nicht kennen, es aber bei dieser Gelegenheit in seiner großen Bandbreite kennenlernen und erleben können, ergänzte Andreas Thiele vom Vorstand des Figurentheaters Ravensburg.

Ein musikalisches Puppenspiel voller Poesie über eine Ziege, Träume, die Liebe und das Leben zeigten Eva Sotriffer und Max Castlunger. Während Sotriffer die liebevoll gestalteten Handpuppen agieren ließ, steuerte Castlunger wie im Stummfilm-Kino Musik und punktgenau die passenden Geräusche bei. Wenn sich der Mann verliebt, hört man sein Herz schlagen, den Auftritt seiner temperamentvollen Angebeteten begleiten Flötenklänge und den Auftritt der Ganoven – Köpfe auf dem Finger und eine Hand, die den ganzen Körper ersetzt – begleiten dunkle Trommelwirbel. Um vieles größer sind die Masken von "Larifari Paukenschlag", die unter dem Stichwort "Liebesgeflüster" durch die Straßen zogen und das Publikum in ihr gespieltes Alltagsleben mit einbezogen.

Bauchladenbühne mit elefantösem Puppenspiel: Christoph Frank begeisterte vor allem die kleinen Zuschauer beim Straßentheaterfestival. | Bild: Claudia Wörner

Ein größerer Gegensatz als Christoph Franks elefantöse Puppenszenen auf der Bauchladenbühne und Andreas Banitschs Spiel mit dem 2,50 Meter großen Monster des Dr. Frankenstein ist kaum vorstellbar. Während die Kinder beim Monster mithilfe von Stäben als Puppenspieler von morgen selbst Hand anlegen durften, um es Schritt für Schritt bei seinem ersten Spaziergang zu begleiten, konnten sie bei "Elefantös" einfach zusehen, wie ein lustiges Elefantenkind die Welt entdeckt und sich dabei vor Lachen ausschütten. Ihre Fans fand auch die Puppenbühne Ostrach mit ihrer Geschichte vom Wackelzahn: Hund Bello tut sein Wackelzahn gar nicht weh, aber dass er keine Knochen mehr abnagen kann – es ist einfach zum Heulen. So mancher Ravensburger hat bei so viel Programm und Abwechslung für den samstäglichen Einkauf sicher deutlich länger gebraucht. Wer nicht bis zum nächsten Straßentheaterfestival warten möchte, kann ja einfach mal ein Puppenspiel im Figurentheater Ravensburg ansehen.

Die größte Puppe beim Straßentheaterfestival maß 2,50 Meter und konnte nur mit tatkräftiger Unterstützung der Zuschauer bewegt werden. | Bild: Claudia Wörner